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Welche Versicherungen braucht eine Familie wirklich?

Zwischen Kita-Beitrag, Kfz-Police und drei Briefen von Versicherern verliert man schnell den Ueberblick. Hier steht, welche Vertraege eine Familie wirklich tragen und welche warten koennen.

Küchentisch mit Briefstapel, Ordnern, Kaffeetasse und einer Kinderzeichnung am Rand
Der Papierstapel wird kleiner, sobald klar ist, welche Verträge wirklich tragen.

Bei mir lag der Stapel zwei Monate auf der Küchenablage. Ein Brief vom Kfz-Versicherer, einer von der Krankenkasse, dazu ein Angebot für eine Zahnzusatzversicherung, das jemand in der Kita-Gruppe empfohlen hatte. Und irgendwo darunter die Frage, die man sich nicht gern stellt: Zahle ich gerade für Dinge, die uns im Ernstfall nichts bringen, während das Wichtige fehlt?

Die kurze Antwort vorweg: Eine Familie braucht sehr wenige Versicherungen wirklich. Drei bis vier tragen das Gerüst, alles andere ist Komfort. Welche Versicherungen eine Familie wirklich braucht, hängt vor allem an einer Frage: Was würde uns finanziell umwerfen, wenn es morgen passiert?

Genau das ist der Maßstab. Nicht die Wahrscheinlichkeit, sondern die Höhe des Schadens. Ein kaputtes Handy tut weh, aber es ruiniert niemanden. Ein Einkommen, das dauerhaft ausfällt, schon.

Die Privathaftpflicht ist nicht verhandelbar

Wenn du nur eine einzige Police abschließt, dann diese. Sie springt ein, wenn du oder dein Kind jemand anderem einen Schaden zufügt, und Haftung ist in Deutschland der Bereich, in dem Summen entstehen, die eine Familie nie aus eigener Tasche zahlen könnte. Deckungssummen im Millionenbereich sind bei aktuellen Tarifen üblich, und genau dafür ist sie da.

Zwei Dinge schauen sich die wenigsten an. Erstens: Kinder sind bis zu einem bestimmten Alter deliktunfähig, sie haften also selbst nicht. Dein Nachbar bleibt dann auf der zerkratzten Autotür sitzen, wenn deine Police den Punkt Schäden durch deliktunfähige Kinder nicht ausdrücklich einschließt. Zweitens: Volljährige Kinder sind oft nur in Erstausbildung und ohne eigenen Haushalt mitversichert. Nach dem Auszug in die erste WG lohnt ein Anruf beim Versicherer.

Fußball rollt über eine Einfahrt in Richtung eines geparkten Autos
Schäden durch kleine Kinder zahlt die Haftpflicht nur, wenn der Einschluss für deliktunfähige Kinder im Vertrag steht.

Das Einkommen absichern, bevor du Dinge absicherst

Der teuerste Schaden in einer Familie ist fast nie ein Gegenstand. Es ist der Ausfall desjenigen, der das Geld verdient. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente greift erst unter engen Voraussetzungen und fällt in aller Regel deutlich niedriger aus als das bisherige Nettoeinkommen.

Deshalb steht eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei Familien direkt hinter der Haftpflicht. Wenn das Budget nur für eine reicht, sichert man zuerst das Haupteinkommen ab. Arbeitet ein Elternteil in Teilzeit oder kümmert sich ganz um die Kinder, fällt dort zwar kein Gehalt weg, aber der Betreuungsaufwand müsste bezahlt werden, falls diese Person ausfällt. Das ist der Punkt, an dem man in zweiter Linie noch einmal hinschaut.

Dazu kommt eine Risikolebensversicherung, sobald jemand von deinem Einkommen abhängt oder ein Kredit läuft. Sie ist reiner Todesfallschutz, kein Sparvertrag, und gehört zu den günstigeren Verträgen im Haushalt. Wichtig: Gesundheitsfragen immer vollständig und ehrlich beantworten. Wer hier schummelt, hat am Ende eine Police, die im Ernstfall nicht zahlt.

Was schon da ist, ohne dass du es merkst

Kinder sind in der gesetzlichen Krankenversicherung über ein Elternteil beitragsfrei familienversichert, solange die Voraussetzungen erfüllt sind. Außerdem sind sie in Kita, Schule und auf dem Weg dorthin über die gesetzliche Unfallversicherung geschützt.

Der blinde Fleck liegt in der Freizeit. Zuhause, beim Sport, auf dem Spielplatz greift dieser Schutz nicht. Für Familien, die sich Sorgen um bleibende Folgen eines Unfalls machen, ist eine Kinderinvaliditäts- oder Unfallversicherung deshalb eine ernsthafte Überlegung. Sie kommt in der Rangfolge aber nach der Absicherung des Einkommens, nicht davor.

Kfz, Hausrat, Rechtsschutz

Die Kfz-Haftpflicht ist Pflicht, da gibt es nichts zu entscheiden. Bei Kasko lautet meine Faustregel: Solange du den Wagen im Totalschadenfall nicht aus der Portokasse ersetzen könntest und er noch einen echten Wert hat, bleibt Kasko drin.

Die Hausratversicherung lohnt, wenn dich die komplette Neuanschaffung von Möbeln, Elektrogeräten und Kleidung nach einem Brand oder Wasserschaden finanziell umwerfen würde. Bei den meisten Familien mit Kindern ist das so. Rechtsschutz ist dagegen Geschmackssache und kommt später, wobei du bei einem Abschluss die Wartezeiten einplanst: Wer erst Streit hat und dann abschließt, kommt zu spät.

Hand notiert etwas auf einem Block neben Laptop, Kalender und Unterlagen
Ein fester Termin im Jahr reicht, um alle Verträge einmal durchzusehen.

Nett, aber nicht zuerst

  • Handy-, Brillen- und Reisegepäckversicherungen: kleine Schäden, die man besser aus einem Notgroschen zahlt
  • Ausbildungs- und Aussteuerversicherungen: mischen Sparen und Schutz und sind in beidem selten überzeugend
  • Sterbegeldversicherungen für die Großeltern, die eigentlich die Enkel beruhigen sollen
  • Zahnzusatz: nicht sinnlos, aber eindeutig Komfort und kein Existenzschutz

Deine Reihenfolge, wenn das Geld knapp ist

  1. Privathaftpflicht für die ganze Familie, mit Einschluss deliktunfähiger Kinder
  2. Berufsunfähigkeit für das Haupteinkommen
  3. Risikoleben, wenn Kinder oder ein Kredit da sind
  4. Hausrat, sobald der Hausstand nicht mehr ersetzbar wäre
  5. Kinderunfall oder -invalidität
  6. alles Weitere, wenn wieder Luft im Budget ist

Woran es im Alltag scheitert

Nicht am Abschluss. Am Anpassen. Die meisten Verträge laufen über Jahre weiter, während sich das Leben darunter verändert: Ein Kind kommt dazu, ihr zieht um, jemand wechselt in Teilzeit, ein Partner zieht aus.

Besonders bei einer Trennung wird es heikel. Eine Familienhaftpflicht gilt in aller Regel für den Haushalt, in dem der Vertrag bleibt. Zieht der andere Elternteil aus und die Kinder wohnen abwechselnd bei beiden, solltest du beim Versicherer klären lassen, wer in welcher Situation geschützt ist. Dasselbe gilt für Risikolebensversicherungen, bei denen nach einer Trennung oft noch die alte Begünstigung eingetragen ist.

Nimm dir für diesen Stapel einen Abend im Jahr, am besten denselben wie für die Nebenkostenabrechnung. Eine Stunde, ein Zettel, drei Fragen pro Vertrag: Brauche ich den noch, passt die Summe, sind alle drin, die drin sein sollen. Mehr ist es nicht, und danach liegt auf der Küchenablage wieder nur die Post von gestern.

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